Die Pfeifsprache der Gomeros

La Gomera ist die Heimat einer ganz besonderen kulturellen Überlieferung der Kanaren: El Silbo, eine Sprache, die statt Worte zu benutzen, mit Pfiffen auskommt. Dementsprechend kommt der Name dieser Pfeifsprache auch von »silbar«, dem spanischen Wort für »pfeifen«. Einst war El Silbo auch auf Teneriffa und El Hierro heimisch, heute existiert die Pfeifsprache jedoch nur noch auf La Gomera, wo sie seit einigen Jahren auch Pflichtfach in der Schule ist. Außerhalb der Schule trifft man die Pfiffe vor allem noch im Rahmen der hiesigen Fiestas an, wo es mitunter regelrechte El Silbo-Wettbewerbe gibt.
El Silbo ist dabei keineswegs die einzige Pfeifsprache auf der Welt. Es wird vielmehr angenommen, dass es weltweit ungefähr 60 verschiedene Pfeifsprachen gibt, unter anderem in Mexiko, China, der Türkei, den Pyrenäen und in Marokko. Von dort, genauer gesagt aus dem Atlas-Gebirge, scheint auch El Silbo ursprünglich zu stammen.
Doch auch bei 60 weiteren Pfeifsprachen – viele von ihnen sind vom Aussterben bedroht – ist El Silbo immer noch etwas besonderes. Laut UNESCO handelt es sich bei El Silbo um die einzige voll entwickelte Pfeifsprache weltweit. Geübte »Silbadores« (Pfeifer) können gar regelrechte Gespräche über mehrere Minuten miteinander führen. Seit 2009 gilt El Silbo dementsprechend auch als UNESCO-Weltkulturerbe. El Silbo ist heute die am besten erforschte Pfeifsprache der Welt.
So zeigen jüngste Forschungsergebnisse, dass die Pfiffe bei geübten »Silbadores« das Sprachzentrum in der linken Gehirnhälfte aktivieren, während bei anderen Menschen die entsprechenden Gehirnregionen nicht reagieren. Dies zeigt zum einen, dass das Sprachzentrum nicht nur Worte verarbeiten kann und zum anderen, dass El Silbo wie eine echte Sprache wirkt.
Praktisch ist El Silbo dabei nicht allein für die Überbrückung weiter Distanzen – ein solcher Pfiff trägt wesentlich weiter als ein simpler Schrei, El Silbo gilt als die lauteste Kommunikationsform, die ohne Hilfsmittel auskommt – sondern auch für andere Zwecke. So nutzten im Spanischen Bürgerkrieg beide Seiten »Silbadores« zur Übermittlung von Informationen.
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