Castillo del Mar

Die ehemalige Bananenverladestation Castillo del Mar liegt an der nördlichen Küste beim Strand Playa de Vallehermoso. Sie befindet sich auf einer Felsklippe im Atlantik und wird ganzjährig von Meerwasser umspült. Die Station wurde von dem deutschen Fotografen Thomas K. Müller zu einem Kunst- und Kulturzentrum umgestaltet und war einige Jahre lang Schauplatz diverser kultureller Ereignisse.
Der lange Weg des Castillo del Mar (1890 bis 2001)
Das Castillo del Mar wurde 1890 als Bananenverladestation errichtet. Die Bedeutung der Station auf La Gomera war immens, da sie damals den größten Warenumschlagplatz der Insel darstellte.
Im unteren Stock des Gebäudes, der Verpackungsabteilung, wurden die Bananen gewaschen, gewogen und vermessen. Anschließend fand die Sortierung nach Größe und Qualität statt.
Das nahe gelegene Dorf Vallehermoso mauserte sich in der Folge zum ökonomisch wichtigsten Ort der Insel. Doch die Waren, die das Castillo durchliefen, beschränkten sich nicht nur auf Bananen. 1910 ging hier das erste Kraftfahrzeug auf der Insel an Land.
Die Bedeutung des Castillos lässt sich auch daran erkennen, dass es zum Schutz vor Piratenüberfällen auch über Verteidigungsanlagen und Kanonen verfügte.
1950 wurde der Betrieb der Station eingestellt, was eine Verwahrlosung des Castillos und der dieses umgebenden Landschaft zur Folge hatte. Der Zugang zum Land wurde dadurch unterbrochen. Auch das einst so blühende Vallehermoso verlor an Bedeutung. 1981 erwarb schließlich der deutsche Fotograf Thomas K. Müller das Grundstück.
Die nach wie vor unwegsame Umgebung verhinderte zunächst die Restaurierung der Anlage. Erst 2001 wurde im Zuge von Revitalisierungsprojekten für den Norden der Insel die nähere Umgebung wieder begehbar.
Noch im selben Jahr begannen die Restaurierungsarbeiten. Der Haupteingang und die dazugehörige Treppe wurden ebenso erneuert wie die Mauern, die einst Schutz gegen Piraten und das Meer geboten hatten. Später wurden weitere Zubauten fertigstellt, darunter befanden sich zum Beispiel eine Bühne und zwei große Veranstaltungsräume.
Das Castillo als Kulturzentrum (2003 - 2008)
2003 war es dann soweit, das neue Castillo del Mar öffnete seine Pforten. Es hatte damit einen Teil seiner vergangenen Bedeutung zurückgewonnen. Die liebevoll restaurierte Bananenverladestation wurde nun zu einer Plattform diverser kultureller Ereignisse.

So wurde zum Beispiel der Film »Guarapo« in einer wöchentlichen Kinovorstellung vorgeführt. Der Film thematisiert die Emigration der Gomeros nach Lateinamerika, für die das Castillo lange Zeit der Ausgangspunkt war.
Darüber hinaus gab es einen zweimal im Monat stattfindenden Markt, der sich mit den Themen Kultur und Tradition befasste. Des Weiteren fanden diverse Konzerte kanarischer Bands sowie Tanzabendende statt. Das Castillo del Mar mauserte sich schnell zum bedeutendsten Kulturzentrum der Insel.
Im sehr beliebten Panorama-Restaurant fanden sich etliche Urlauber und Einheimische zum Essen ein. So war auch ein vierzehntägiger Brunch eines der am meisten frequentierten Ereignisse. Insgesamt fanden mehr als 500 Veranstaltungen im Castillo del Mar statt.
Schließung (seit 2008)
Im Frühling des Jahres 2008 stellte das Küstenamt entsprechend des Küstenschutzgesetzes illegale bauliche Veränderungen an der Anlage fest. Der Versuch, eine Einigung mit dem Küstenamt zu erzielen, scheiterte bislang.
Der eigentliche Grund, der zur Schließung führte, war jedoch das fehlende Budget. Trotz eines bereits 2001 gestellten, entsprechenden Antrags wurde das Castillo während seiner gesamten Betriebszeit nicht an das Stromnetz der Insel angeschlossen. Der Betreiber war so gezwungen, die Anlage mit einem Stromgenerator zu versorgen.
Dies führte im Laufe der Jahre zu immensen Kosten, die von den Einnahmen nicht gedeckt werden konnten. Deshalb entschied sich Thomas K. Müller zur vorläufigen Schließung. In der Folge wurde versucht, mittels Beschwerdebriefen an die Regierung einen Anschluss an das Stromnetz zu erreichen.
Am 03. Juni 2013 entschied schließlich der Oberste Kanarische Gerichtshof, dass Müller das Castillo wieder eröffnen darf. Müller und sein Team peilen nun die Renovierung des seit der Schließung stark heruntergekommenen Castillos an.

Internetpräsenz

Anreise

Von Vallehermoso aus führt die TF-712 zur Küste.
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